![]() Johann Albrecht Friedrich Rauscher 1754 - Coburg - 1808 | Schätzpreis / Estimate EUR 4.500.- |
| Aus einer norddeutschen Privatsammlung 1 Der Maler mit einem Führer am Wasserfall Deckfarbenmalerei. 1797. 50,1 : 34,2 cm (50,9 : 35,0 cm). In Pinsel signiert und datiert. Sehr schöne und bildmäßig ausgeführte Landschaftsdarstellung. - Der Coburger Künstler hatte an der Düsseldorfer Akademie studiert, bevor er als Hofmaler wieder nach Coburg berufen wurde. - Viele seiner meist in Deckfarbenmalerei ausgeführten Werke entstanden nach Zeichnungen vor der Natur, zumeist in der Umgebung Coburgs. Ob er nordische Landschaften, wie im vorliegenden Blatt, je aus eigener Anschauung kennengelernt hatte, ist nicht bekannt. Der Einfluß von ihm bewunderter und kopierter Künstler wie Waterloo und Ruysdael ist jedoch in manchen seiner Werke spürbar. Daß seine Landschaftsblätter auch von den Zeitgenossen sehr geschätzt wurden, geht daraus hervor, daß J. H. Wilhelm Tischbein, wohl nach seiner Rückkehr aus Neapel dieses wie auch die beiden folgenden Blätter erwarb. Über seine Tochter Conradine gelangten die Blätter auf dem Erbwege zu seiner Urenkelin Anna-Liese Wallroth, der Großmutter des heutigen Eigentümers, die ihm die Blätter 1969 übereignete.Auf Bütten. (697) | ![]() |
![]() Johann Albrecht Friedrich Rauscher 1754 - Coburg - 1808 | Schätzpreis / Estimate EUR 4.000.- |
| Aus einer norddeutschen Privatsammlung 2 Die Wäscherin am Wasserfall Deckfarbenmalerei. 1797. 50,5 : 34,0 cm (51,0 : 34,5 cm). In Pinsel signiert und datiert. Die Gouache war vermutlich als Gegenstück zu der vorangegangenen Katalognummer bestimmt.Nagler nennt auch einige Radierfolgen, die nach Vorlagen des Künstlers entstanden waren, diese sind, soweit datiert, alle früheren Datums. - Das Hochformat, für die Landschaften Rauschers wohl eher die Ausnahme, ergibt sich aus dem Sujet des von einiger Höhe zwischen den Felsen herabstürzenden Wasserfalls. Dem eher rauhen Landschaftscharakter geben die drei Figürchen im Vordergrund etwas Friedvolles, ein Eindruck, der durch das leuchtende Himmelsblau und die sonnenbeschienene Wolke verstärkt wird. Von J. H. Wilhelm Tischbein erworben, siehe auch die Kat.-Nrn. 1 und 3.Auf Bütten mit Wz. »Bekröntes Wappen mit Schrift«. (697) | ![]() |
![]() Johann Albrecht Friedrich Rauscher 1754 - Coburg - 1808 | Schätzpreis / Estimate EUR 3.500.- |
| Aus einer norddeutschen Privatsammlung 3 Wanderer an einem Fluß mit Wasserfall Deckfarbenmalerei. 50,0 : 34,0 cm (50,8 : 34,6 cm). Die Gouache dürfte zur selben Zeit wie die beiden vorstehenden Katalognummern entstanden sein. Alle drei im gleichen Format und mit ähnlichen Sujets waren wohl als Gruppe konzipiert.J.A.F. Rauscher wurde bereits in jungen Jahren an den Hof des Herzogs Ernst Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld berufen. Neben Landschaftsveduten, die die hügelige Mittelgebirgslandschaft um Coburg schildern, entstanden Zimmerausstattungen wie Tapeten und Supraporten, möglicherweise für die herzoglichen Gemächer. - Der in unserem Blatt gezeigte Felsabbruch mit dem verwitterten Gestein zeigt noch hier und da die rötliche Färbung, wie sie für die fränkische Landschaft charakteristisch ist. Von J. H. Wilhelm Tischbein erworben, siehe die beiden vorangegangenen Kat.-Nrn. 1 und 2.Auf Velin.Dazu: Der J.A.F. Rauscher gewidmete Coburger Kunstkalender 1967 mit 12 Reproduktionen. (697) | ![]() |
![]() Friedrich Olivier 1791 - Dessau - 1859 | Schätzpreis / Estimate EUR 15.000.- |
| Aus einer norddeutschem Privatsammlung 4 Einzug Noahs und seiner Familie in die Arche Aquarell, Gouache, Feder und Bleistift. 1818. 94,8 : 48,0 cm. Vorliegender Karton ist ein Fragment des annähernd größengleichen, bisher nur in der Literatur bekannten Entwurfs für das Gemäldes »Einzug Noahs und seiner Familie in die Arche«, ehemals Nationalgalerie Berlin, mit der Darstellung der titelgebenden Figurengruppe der Gesamtkomposition. Die Anfang des Jahres 1818 in Wien wiederentdeckten farbigen Kartons (heute Kunsthistorisches Museum, Wien), die Jan Cornelisz. Vermeyen (1500 - 1559) als Vorlagen für Gobelins mit Darstellungen des Zuges Kaiser Karl V. nach Tunis anfertigte, beeindruckte die seit dem Vorjahr dem Lukasbund angehörenden Gebrüder Olivier nachhaltig: Ferdinand verfaßte eine ausführliche Besprechung, Friedrich kopierte die Kartons ausschnittweise. Die dabei gewonnen Kompositionserfahrungen flossen in den gleichzeitig entstandenen vorliegenden Entwurf ein. Als Friedrich Olivier im November 1818 nach Rom aufbrach, führte er diesen Karton mit sich, um sich einerseits damit den dortigen Mitgliedern des Lukasbundes vorzustellen und andererseits das Gemälde auszuführen. Nach Luwig Grote (Die Brüder Olivier und die deutsche Romantik. Berlin 1938. S. 246) stellte Olivier den Karton anläßlich der Ausstellung deutscher Künstler zu Ehren des Besuchs des österreichischen Kaisers in Rom im Palazzo Caffarelli 1819 aus, Johann David Passavant führt in seiner Liste des ausgestellten Werke (Ansichten über die bildenden Künste und Darstellung des Ganges derselben in der Toscana. Heidelberg u. Speyer 1820. S. 209) allerdings das Ölgemälde auf. Olivier selbst war war mit dem ausgeführten Gemälde nicht zufrieden, rollte es zusammen und steckte es in die Dachrinne des Palazzo Caffarelli. Johann Friedrich Overbeck, der es »... immer noch für ein sehr ausgezeichnetes [Werk], jener merkwürdigen Epoche der wiedererwachten deutschen Kunst« (Grote S. 248) hielt, nahm es in seine Obhut. Es gelangte schließlich in die Nationalgalerie Berlin und ist seit seiner Auslagerung in den Flakturm Zoo 1945 verschollen. Der vorliegende Karton stimmt in der Gesamtkomposition mit dem Gemälde überein, weicht aber in einigen Details ab und verdeutlicht so den Bildfindungsprozeß: das Gewand Noahs etwa ist reicher ornamentiert, die Handhaltung und das Gewand des bereits in der Arche stehenden Sohnes variiert, sowie weitere kleinere Abweichungen. Besonders deutlich wird die Bildgenese anhand der zentralen weiblichen Rückenfigur, die in einem Korrekturprozess in die Komposition eingeklebt wurde.Wir danken Professor Dr. Michael Thimann, Passau u. Dr. Alexander Bastek, Museum Behnhaus-Drägerhaus, Lübeck für freundliche Auskünfte.Auf 2 Bögen Bütten, alt auf Karton aufgelegt. - Teils restaurierte Erhaltungsmängel.
Provenienz: Wohl seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Familienbesitz. (678) | ![]() |
![]() Julius Schnorr von Carolsfeld Leipzig 1794 - 1872 Dresden | Schätzpreis / Estimate EUR 35.000.- |
| Aus einer österreichischen Privatsammlung 5 Die Erschaffung Adams Feder in Grau, grau laviert über Bleistiftvorzeichnung. 1807. 27,5 : 54,7 cm (reine Zeichnung), 29,0 : 56,0 cm (Blattformat), 44,3 : 58,5 cm (Unterlagepapier). Im Rand in brauner Feder mit »nach Michelangelo« und »1807« bezeichnet, auf dem Unterlagepapier mit »Julius Schnorr v. K. gez. alt 12 1/2 Jahr.« bezeichnet. Julius Schnorr von Carolsfeld erhielt bereits während seiner Schulzeit an der Leipziger Thomasschule, ebenso wie sein älterer Bruder, vom Vater, der Professor an der Kunstakademie in Leipzig war, Zeichenunterricht. Zu der 1804 bei Göschen erschienenen Ausgabe »Flaxmanns Umrisse zu Homers Iliade« hatten beide Söhne gemeinsam mit dem Vater Radierungen nach dem englischen Original beigesteuert. Und 1806, als Zwölfjähriger war Julius Schnorr erstmals an der Akademieausstellung in Dresden mit einem eigenen Werk »Huons Kampf mit dem Löwen« vertreten. - »Beteiligt war er auch an den Ausstellungen der Jahre 1807, 1808, 1810 und 1811, damals u.a. mit einer Federzeichnung zur >Sündflut<. Solche Talentproben waren noch 1853 in einer Sammlung der Leipziger Akademie von besonders gelungenen Zeichnungen ihrer ehemaligen Schüler vorhanden, die jüngeren Eleven wiederum als Vorlagen dienten, die entsprechenden Kataloge von 1814, 1816, 1817 und 1819 wiesen z.T. mehrere Kompositionen von ihm aus (nach Trenkmann 1985, Anmerkung 59, S. 137)« (Herwig Guratzsch. Julius Schnorr von Carolsfeld. Leipzig 1994, S. 15).»Die bisher unbekannte frühe Zeichnung Schnorrs aus dem Jahr 1807 ist ein erstaunlich frühes Beispiel der eminenten Begabung des erst zwölfeinhalb Jahre alten Künstlers ... Tatsächlich taucht in den Akademieausstellungen der Königlich Sächsischen Akademie aus dem Jahr 1807 unter der Nr. 76 auch »Die Schöpfung Adams nach Michelangelo« auf. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich um vorliegende Zeichnung. Es ist anzunehmen, daß beide Beschriftungen auf dem Blatt von Julius Schnorr selbst stammen: die auch auf das Trägerpapier übergreifende, unmittelbar unter dem Bildfeld angebrachte Beschriftung >nach Michelangelo. 1807< dokumentiert, daß es sich um die ursprüngliche historische Montierung handelt ... Beide Beschriftungen wurden wohl bereits im Hinblick auf die Einreichung zur Dresdner Akademieausstellung so ausführlich angebracht. Gerade Michelangelo war neben Carstens das von Vater Johann Veit am meisten propagierte Vorbild für Kunstschüler. Die Fresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle wurden seit ihrer Entstehung durch alle Epochen hindurch von Künstlern studiert, kopiert bzw. in Druckgraphik übertragen. Es ist anzunehmen, daß Schnorr nach einer druckgraphischen Vorlage, wahrscheinlich jener von Domenico Cunego (1726-1803) arbeitete. ... Cunegos graphische Interpretation des zentralen Bildfeldes an der Decke der Sixtinischen Kapelle stimmt in allen wesentlichen Zügen mit der Zeichnung Schnorrs überein und steht auch zeitlich der Entstehung der Schnorr'schen Interpretation nahe ... Beeindruckend an dieser frühen Zeichnung ist das enorme künstlerische Talent Schnorrs, das sich - über das bloße Kopieren hinausgehend - in ganz persönlichen Zügen der Interpretation vor allem in den Gesichtern der Gott Vater umgebenden Engel äußert. Hier finden sich bereits jene Gesichtstypen, die in Schnorrs selbständigen frühen Zeichnungen wiederkehren. Besonders hervorzuheben ist auch die detaillierte Schilderung der Pflanzen links im Vordergrund, die in der spezifischen Ausführung ebenfalls schon ganz bezeichnende Züge der späteren Schnorr'schen Zeichenkunst zeigen. Überzeugend ist auch die Virtuosität in der Verteilung der hellen und dunklen Lavierungen über den sorgsam gezeichneten Umrißlinien in Feder über Bleistift« (Cornelia Reiter, Wien in ihrer Expertise September 2010).Über Julius Schnorr von Carolsfeld herausragenden Rang als Zeichner bestand früh Einigkeit, Carl Georg Heise nannte ihn »einen der Besten des 19. Jahrhunderts überhaupt. Nicht zu Unrecht hat man ihn mit Ingres verglichen«, oder Bernhard Maaz (Ein weltbürgerliches Band - Idee Europa, S. 52, in: Blick auf Europa. 2007) »Sein Bestes aber gab er in der Zeichenkunst und in einigen frühen Gemälden, die voller Gläubigkeit sind, voller Glauben an die Lauterkeit der Kunst. Von der Luzidität der italienischen Renaissance inspiriert, von der Simplizität der altdeutschen Malerei überhaupt, suchte er eine Harmonisierung dieser Anregungen«.Mit einer Echtheitsbestätigung von Dr. Cornelia Reiter, Wien vom September 2010. (657) | ![]() |
![]() Johannes Riepenhausen Göttingen 1787 - 1860 Rom | Schätzpreis / Estimate EUR 10.000.- |
| Aus norddeutscher Privatsammlung. 6 Eros, die Leier vor Menschen jeden Standes spielend Öl auf Leinwand. 1849. 104,0 : 157,5 cm. Bezeichnet » Joh. Riepenhausen Rom« u. datiert. Großformatige, vielfigurige mythologische Szene.Die leierspielende, blumenbekränzte junge männliche Gestalt ist durch ihre Flügel als Eros zu identifizieren, der in der Körperauffassung an den Eros Farnese, aber auch den Apoll Farnese (beide Neapel, Museo Archeologico Nazionale) angelehnt ist. Kompositorisch greift Riepenhausen auf die Parnaß-Darstellungen Anton Raphael Mengs' und letztendlich Raffaels zurück. - Im Gegensatz zu den Parnaß-Darstellungen ist hier die Macht des Eros über die Menschheit dargestellt, der durch liebliche Töne Menschen jeglichen Alters und Standes in seinen Bann zieht. - Ein um 1808 datierbares Aquarell Johannes Riepenhausens (Göttingen, Städtisches Museum) zeigt eine vergleichbare Szene, jedoch mit teils anderen Figurengruppen und in stärker antikisierender Landschaft. In seinem Spätwerk griff Riepenhausen auf frühere Bildfindungen, auch seines Bruders Franz, zurück.»Bannende Frontalität vermag unschwer den Ausdruck machtvoller, weltenthobener Größe zu gewinnen, sie ist der eigentliche Inbegriff sakraler Würde und herrscherlicher Gebärde« (Werner Hofmann).Ornamentierter Goldrahmen der Zeit. (692) | ![]() |
![]() Louis Gurlitt Altona 1812 - 1897 Naundorf bei Schmiedeberg | Schätzpreis / Estimate EUR 6.000.- |
| Aus einer norddeutschen Privatsammlung 7 Blick auf Ragusa Öl auf Leinwand. Nach 1852. 29,5 : 47,5 cm. Signiert. Blick in die Bucht von Ragusa (heute Dubrovnik) mit vorgelagerter Castellanlage. Die Ansicht wird rechts von zwei Palmen und einem Haus flankiert, die als Repoussoir-Elemente zum einen den Blick des Betrachters in das Bild lenken sollen und zum anderen räumliche Tiefe schaffen. Das Gemälde entstand im Anschluß an eine Reise Gurlitts nach Dalmatien im Jahre 1852. Eine Vorzeichnung befindet sich auf dem Museumsberg in Flensburg, eine zweite Fassung im Altonaer Museum (dort »Italienische Landschaft«, 1844). Diese zeigt den identischen Landschaftsausschnitt, jedoch von einem etwas entfernteren und höher gesetzten Standpunkt, so daß dadurch im Vordergrund noch mehr Pflanzenbewuchs auf den Felsen sichtbar wird. Gurlitt, der in seiner frühen Schaffenszeit noch unter dem Einfluß von Christian Morgenstern und Johann Christian Dahl stand, studierte im Sommer 1832 an der Kopenhagener Akademie unter Christian W. Eckersberg, der die Arbeit vor der Natur favorisierte. In die gleiche Zeit fallen auch Gurlitts erste Reisen nach Norwegen und Schweden, wo er zeitweise lebte und arbeitete. Die folgenden Jahre sind von zahlreichen Reisen und Umzügen des Künstlers geprägt. 1838 unternahm er seine erste Italienreise, eine zweite führte ihn bis zum Golf von Neapel, 1846 besuchte er Sizilien, 1852 schließlich Dalmatien. Während das Frühwerk Gurlitts noch von der Romantik geprägt ist, weisen seine späteren Gemälde vorimpressionistische Züge auf. Wir danken Prof. Dr. Ulrich Schulte-Wülwer, Flensburg für die wissenschaftlichen Hinweise.
Literatur: Ulrich Schulte-Wülwer. Sehnsucht nach Arkadien. Ausst.Kat. Jenisch-Haus, Hamburg 2009. Ulrich Schulte-Wülwer u. Bärbel Hedinger (Hrsg.). Louis Gurlitt, Porträts europäischer Landschaften in Gemälden u. Zeichnungen, Ausst.Kat. Altonaer Museum Hamburg, München 1997.
Provenienz: Ehemals Sammlung Werner Blohm, Hamburg. (609) | ![]() |
![]() Carl Spitzweg 1808 - München - 1885 | Schätzpreis / Estimate EUR 6.000.- |
Aus einer süddeutschen Privatsammlung
Provenienz: Hugo Helbing, München (9. April 1908). (596) | ![]() |
![]() Eugène Delacroix Charenton-St-Maurice 1798 - 1863 Paris | Schätzpreis / Estimate EUR 3.000.- |
9 Arabes d'Oran
Provenienz: J. Peoli, London (Lugt 2020). Henri M. Petiet, Paris (nicht bei Lugt). (667) | ![]() |
![]() Auguste Rodin Paris 1840 - 1917 Meudon | Schätzpreis / Estimate EUR 14.000.- |
| 10 Deux Femmes nues enlaçées Aquarellierte Bleistiftzeichnung. Um 1896-98. 33,0 : 25,0 cm. In zarten braunen Lasuren kolorierte Zeichnung zweier sich umarmender Frauenakte.Zwischen 1896 und 1916 schuf Rodin etliche Aktstudien. Die meisten wurden zunächst als reine Bleistiftzeichnungen ausgeführt. Rodin bearbeitete sie später, vor allem die Lavierung in Wasserfarben geschah in der Regel nachträglich. Auch fügte Rodin außer Korrekturen und Ergänzungen später gerne noch Assoziationstitel an, die er meist mit Bleistift an den Rand schrieb.Auf leichtem Zeichenpapier. Mit einer Echtheitsbestätigung von Christina Buley-Uribe vom 25. März 2010; das Werk wird unter der Nummer 100301 in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Zeichnungen und Gemälde Rodins aufgenommen. (651) | ![]() |
![]() Henri de Toulouse-Lautrec Albi 1864 - 1901 Schloß Malromé | Schätzpreis / Estimate EUR 75.000.- |
| 11 Napoléon Farbige Lithographie. 1895. 59,2 : 46,0 cm (63,5 : 49,9 cm). Signiert, im Stein monogrammiert. Wittrock 140. - Delteil 358. - Adémar 150.Exemplar »4« von 100.Prachtvoller, farbfrischer Druck der großformatigen Lithographie. Anläßlich des Wettbewerbes für ein Plakat entstanden, das die in New York erscheinende Napoleon-Biographie von Milligan Sloanes ankündigen sollte, war der Entwurf als nicht preiswürdig abgelehnt worden. - »Dies ist umso erstaunlicher, als sich Lautrec, wohl in Anbetracht der Jury, zu einem streng hierarchischen Stil entschlossen hatte, der vollkommen dem von Triumph und Tragik getragenen Pathosklischee des großen Menschen entspricht und bis in die Einzelheiten der Uniformen dem überlieferten Geschehen nachzukommen sucht« (Götz Adriani). - Der Künstler ließ die Lithographie dann auf eigene Kosten drucken.Unähnlich den meisten Plakatentwürfen des Künstlers mit einer großflächig angelegten Figurenzeichnung, die sich entweder hell oder dunkel vor dem entsprechend kontrastierenden Hintergrund abhebt, ist vorliegende Lithographie zeichnerisch angelegt. Die nervösen Physiognomien der tänzelnden Pferde sind mit einer Vielzahl von Strichen und Linienbündeln wiedergegeben, der graue Uniformrock Napoleons gespritzt. Auf glattem gelblichem Velin.So schön und farbfrisch selten. (590) | ![]() |
| Schätzpreis / Estimate EUR 60.000.- |
| Aus einer deutschen Privatsammlung 12 Das kranke Kind I (Das kranke Mädchen) Farbige Lithographie. 1896. 42,0 : 56,5 cm (54,0 : 69,3 cm). Mit rotem Farbstift signiert, im Stein nochmals signiert. Woll 72 II A2, B, C. - Schiefler 59.A2: Der Zeichnungsstein mit der Signatur, hier schwarz gedruckt. B: Ein zweiter Stein, hier in hellem Grau und fast ausschließlich erkennbar in den Randzonen. C: Ein dritter Stein für den Hintergrund, hier in transparentem Gelb. Druck des zweiten Zustandes mit der Signatur im Stein. Ein dritter Zustand weist neben der Signatur auch die Datierung auf. Es gibt keine Spätdrucke, da die Steine nicht erhalten sind.Munch hatte das Motiv, das zu dem zentralen Themenkreis seines Œuvre gehört, bereits 1885/86 in einem Ölbild sowie 1884 und 1896 in zwei Radierungen verarbeitet, bevor 1896 die großformatige farbige Lithographie entstand, nach des Künstlers eigener Einschätzung sein bedeutendstes graphisches Werk. Von Anfang 1896 bis Juni 1897 hielt Munch sich in Paris auf und ließ bei Auguste Clot, dem berühmten Drucker der farbigen Lithographien Renoirs, Toulouse-Lautrecs u.a. Impressionisten, die Lithographie »Das kranke Kind« drucken. Munch experimentierte mit mehreren Steinen, die in unterschiedlichsten Farbvarianten eingefärbt und auf verschiedenste Papiere gedruckt wurden, wodurch sich »Ausdrucksmöglichkeiten von der trostlosen Endstimmung über die dramatische Aussichtslosigkeit oder die Ambiguität von Tod und Hoffnung bis zur Auflösung ins Jenseitige« (Uwe M. Schneede) ergaben.Die Durchsichtigkeit des Druckes in unserer zartfarbigen Fassung wird durch die Wahl des breitrandigen losen Chinapapieres noch verstärkt.Einer der Meilensteine der graphischen Kunst um 1900.
Provenienz: Ehemals Privatsammlung, Norwegen. (649) | ![]() |
![]() Max Liebermann 1847 - Berlin - 1935 | Schätzpreis / Estimate EUR 5.000.- |
Aus einer norddeutschen Privatsammlung
Provenienz: Dr. Hugo Cassirer, Berlin (1869-1920), vermutlich von seinem Bruder, dem Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer (1871-1926) erworben. Der Nachlaß ging an Charlotte (Lotte) Cassirer, geb. Jacobi, wiederverheiratete Fürstenberg, Berlin und anschließend an den Sohn Stefan Walter Cassirer, Kunsthändler in Kopenhagen über. Mit beiliegendem Schreiben zur Provenienz seiner Witwe Else Cassirer, Dänemark vom 12.08.1988 (in Kopie). Vom jetzigen Besitzer 1988 bei Else Cassirer erworben und seither in Privatbesitz. (540) | ![]() |
![]() Max Liebermann 1847 - Berlin - 1935 | Schätzpreis / Estimate EUR 6.500.- |
| 14 Spiel im Garten Tuschfederzeichnung. Um 1920. 12,4 : 17,5 cm. In Feder signiert und in Bleistift mit Nr. »2« bezeichnet, rückseitig mit eigenhändiger, fragmentarischer Liste in Bleistift. Vorzeichnung zur Kaltnadelradierung »Gartenszene (Wärterin mit Kind und Hund)« (Schiefler 331) von 1921; Hans Ostwald bildete die Graphik unter dem Titel »Männe will bloß mit mir spielen« in seinem Liebermann-Buch von 1930 ab. Eine sehr ähnliche Komposition, »Das Enkelkind«, findet sich als Reproduktion im Kalender »Kunst und Leben« (Kalenderblatt für den 16.7.1922).»Dargestellt ist eine Szene aus dem direkten privaten Umfeld des Künstlers. Das Blatt zeigt seine Enkelin Maria mit ihrer Kinderfrau und dem Dackel der Liebermanns im Garten der Sommerresidenz am Großen Wannsee, südwestlich von Berlin. - Maria Margarethe Riezler (Berlin 27.3.1917 - 14.1.1995 New York) war Liebermanns einziges Enkelkind, Tochter von Käthe Liebermann ... und dem (katholischen) Legationsrat und späteren Gesandten Dr. Kurt Riezler. Riezler setzte sich während des Ersten Weltkrieges als engster Ratgeber des Reichspräsidenten Bethmann-Hollweg stark für die Förderung der russischen Revolution ein. In diesem Rahmen unternahm er mehrmals längere Reisen nach Schweden, auf denen ihn seine Frau begleitete. Ihr gemeinsames Töchterchen wurde dann samt Kinderfrau Ida Schönherr bei den Großeltern untergebracht« (Drs. Margreet Nouwen).Liebermann hielt seine Enkelin von kleinauf auch auf mehreren Gemälden fest (vgl. Eberle 1919/26, 1919/32 u. 1922/33). - Bei der rückseitigen Aufstellung handelt es sich möglicherweise um eine Liste der Kunstwerke aus Liebermanns eigener Sammlung, die u.a. Gemälde von Monet, Pissarro und auch Asiatika enthielt, die darauf Erwähnung finden. Liebermann pflegte sich mit seiner Gattin vom Frühjahr bis Oktober in Wannsee aufzuhalten, dabei zogen gewöhnlich auch einige Werke aus dem Haus am Pariser Platz mit um.Auf gelblichem Papier.Mit einem ausführlichen Gutachten von Drs. Margreet Nouwen, Max Liebermann-Archiv, Berlin vom 9. November 2010. (685) | ![]() |
![]() Ernst Barlach Wedel 1870 - 1938 Rostock | Schätzpreis / Estimate EUR 35.000.- |
| 15 Der Spaziergänger Bronze. 1912. Höhe: 50,0 cm. Breite: 24,0 cm. Tiefe: 17,0 cm. Schult 135. - Laur 189.2 (von 2).Eines von 15, nach 1938 gegossenen Exemplaren. - Die beiden einzigen Lebzeitgüsse nach dem Werkmodell wurden am 25.5. und 4.7.1938 von H. Noack, Berlin ausgeführt und an Flechtheim geliefert. Ein dritter Guß folgte Anfang des Jahres 1939, nach Barlachs Tod. 5 weitere Güsse entstanden noch vor dem Krieg.Der in den glücklichen ersten Jahren in Güstrow entstandene, großformatige »Spaziergänger« wird von Barlach innerhalb seiner Güstrower Tagebuchaufzeichnungen am 9.11.1916 erwähnt: »Ich las im >Bildermann< als Nachdichtung von Klabund Thu-Fus Gedicht mit dem Widerhall >Du mein Heimatland<. Echt chinesisch und ganz deutsch. Da stehen Dinge zusammen, die auseinandergleiten, nur die Liebe bindet sie im Menschen, man empfindet wie bestürzt, wie Verhängnis und Fluch, aber im Spiegelbild der Seele wird es Beseeligung, die Liebe zu allem. Sich selbst in allem. >Sah Soldaten durch das Osttor reiten, sah ein Blumenschiff im Nebel gleiten<. Sonderbar ist das alles, erschütternd und bald wieder gleichgültig. Ich dachte, wie bin ich in allem, was ich mache, so, zu kritisch arrogant, beweisend und beschwatzend. Nur zum Beispiel in dem >Schlafenden Paar< und dem >Spaziergeher< liegt so etwas von schlichter Ledigkeit, ledig von allzu stündlicher Zeitigkeit, Weltgefühl, Hängen im großen, bloßen Dasein ohne Zeiteinteilung sind drin. Ich ging bei verwölktem Vollmond auf den Parumer Wiesen und stocherte nach Pilzen«. Die Skulptur war als eine von drei Plastiken Barlachs auf der ersten documenta 1955 in Kassel ausgestellt. Schöner Guß mit warmer brauner Patina. - Auf der Plinthe oben rechts mit dem gravierten Künstlernamen und dem Gießerstempel »H Noack Berlin« auf der Rückseite. (660) | ![]() |
![]() Käthe Kollwitz Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg | Schätzpreis / Estimate EUR 15.000.- |
| Aus einer nordrhein-westfälischen Privatsammlung 16 Kindergruppe (Geschwister) Bronze. 1937/38. Höhe: 18,6 cm. Breite: 7,8 cm. Tiefe: 5,8 cm. Timm 52.Nach Abschluß der Arbeit an der großen plastischen Gruppe »Mutter mit Zwillingen« arbeitete Käthe Kollwitz nur noch an kleineren plastischen Figuren, die sie in Bronze gießen lassen konnte, was aber meist erst posthum geschah. Zu Lebzeiten entstanden aus materiellen Gründen überwiegend Gips- bzw. Zementgüsse.Werner Timm nennt in »Das plastische Werk 1909-1943. Versuch einer Rekonstruktion. Ausgeführte und geplante Werke« weder die Anzahl der Güsse, noch deren Entstehungszeit. Die posthumen Güsse entstanden bis zum Tod von Hans Kollwitz 1971 in einer Auflage von etwa 10 bis 20 Exemplaren. Anschließend wurde eine Auflage von 10 Exx. und 1 gestempeltes Ex. für das Käthe Kollwitz-Museum, Berlin gegossen. Die Werkmodelle wurden anschließend zerstört (vgl. Käthe Kollwitz. Sammlung Lotar Neumann, Galerie Kornfeld, Auktion 236, Bern 2005, S. 194f.).Harmonischer posthumer Guß mit warmer brauner Patina. - Seitlich rechts auf dem Sockel mit der eingravierten Signatur, rückseitig mit dem Gießerstempel »H Noack Berlin«. (586) | ![]() |
![]() Käthe Kollwitz Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg | Schätzpreis / Estimate EUR 18.000.- |
17 Männerkopf en face
Provenienz: Sammlung Alexander von der Becke und Sohn, München. C.G. Boerner, Neue Lagerliste 80, 1984, Kat.-Nr. 116 (mit Abb.). (705) | ![]() |
![]() Käthe Kollwitz Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg | Schätzpreis / Estimate EUR 60.000.- |
Aus einer norddeutschen Privatsammlung
Literatur: Adolf Heilborn. Der Zeichner des Volks. Käthe Kollwitz und Heinrich Zille. Berlin 1924 (u. weitere Auflagen), mit Abb. auf S. 31. Arthur Bonus. Das Käthe Kollwitz Werk. Dresden 1927, mit ganzs. Abb. auf S. 118 (mit eigenh. Titel, faksimiliert. »Ins Wasser (Tuschzeichnung).
Provenienz: Stuttgarter Kunstkabinett, 5. Auktion, 6.-8.4. 1949, Kat.-Nr. 1591. Stuttgarter Kunstkabinett, 19. Auktion, 19./20. 5. 1954, Kat.-Nr. 1208 (mit Abb.). (706) | ![]() |
![]() Ernst Barlach Wedel 1870 - 1938 Rostock | Schätzpreis / Estimate EUR 38.000.- |
| Aus einer süddeutschen Privatsammlung 19 Der Zweifler Bronze. 1930. Höhe: 52,0 cm. Breite: 28,0 cm. Tiefe: 20,2 cm. Schult 385. - Laur 470.Einer von 29 posthumen Güssen; davor waren zwischen 1930 und 1938 17 Frühgüsse entstanden.Eine der bedeutenden Skulpturen aus dem Spätwerk Barlachs. Nach dem Werkmodell von 1930 entstand ein Jahr vor seinem Tod die Holzskulptur (Schult 478, Laur 612, heute Ernst Barlach Stiftung, Güstrow).Der Sohn Nikolaus Barlach schilderte Elmar Jansen in einem Schreiben von 1978 die Situation, in der sich sein Vater zur Entstehungszeit der Plastik befand: »Mein Vater war noch nicht verfolgt, aber schon heftig bedrängt, als nach dem Litho von 1918 das kleine Modell und die Bronze entstanden; er glaubte an seiner Zukunft zweifeln zu müssen. Er bezog nicht nur den ungläubigen Thomas im >Wiedersehen<, sondern auch den >Zweifler< auf sich, aber die Ähnlichkeit ist beim Thomas, trotz des fehlenden Bartes, größer. Mein Vater wies mich darauf hin, daß seine Modelle oft viel >fertiger< wären als die spätere Holzfigur; denn durch die Maserung und die Angst vor dem Verschnitzen sei der Ausdruck des Holzes vielfach dem Zufall unterworfen, während der Entwurf in Ton - und damit das spätere Gipsmodell und die Bronze - wochenlang nach jeder morgendlichen Besichtigung revidiert und überarbeitet worden sei und so das Höchstmaß an Aussage hätte«.Schöner Guß mit bräunlich-gelber Patina. - Mit dem Künstlernamen unten rechts und dem Gießerstempel »H Noack Berlin« unten links. (662) | ![]() |
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