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Francisco José de Goya y Lucientes
Fuentetodos 1746 - 1828 Bordeaux

 

  





Schätzpreis / Estimate
EUR 12.000.-

1  Los Proverbios: four additional plates

4 Radierungen mit Aquatinta. Um 1818-24. Von 29,7 : 43,0 cm bis 30,8 : 45,0 cm (Blattgrößen).

Harris 266-269 jeweils III (von III). - Delteil 220-223 jew. II (von II bzw. III). - Hofmann 142-144 u. 123 jew. II

(von II)

Ausgezeichnete, tiefe und kontrastreiche Drucke.

Die vollständige Folge der vier zusätzlichen, nicht in die >>Proverbios<< mit aufgenommenen Aquatintaradierungen, die 1877 in der Zeitschrift >>L'Art<< publiziert wurden. Zusammen mit den 18 Radierungen der Folge entstanden, kamen die Platten dieser vier Blätter nach Fertigstellung in den Besitz des spanischen Malers Eugenio Lucas und wurden später nach Paris verkauft, waren also nie Teil der Auflagen der >>Proverbios<<. - 3 Blatt wohl aus der ersten Ausgabe.

Die Titel der 4 Blätter lauteten ursprünglich: Dos a uno, meten la paja en el culo. - Bailando en una cuerda floja. - Quien se pondà el cascabel al gato? - Al toro y al aire darles calle.

3 Blatt auf dünnem Bütten, 3 Seiten unbeschnitten; H. 269 auf kräftigerem Bütten in kleinerem Format.

Vollständig selten. (91)

 




Francisco José de Goya y Lucientes
Fuentetodos 1746 - 1828 Bordeaux

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 7.500.-

2  Dos e uno, meten la paja en el culo (Disparate conocido)

Radierung mit Aquatinta. Um 1818-24. Etwa 23,5 : 33,5 cm (25,2 : 35,3 cm).

Harris 266 II (von III). - Delteil 220 I (von II). - Hofmann 142 I (von II).

Vorzüglicher, im Aquatintaton fein nuancierter posthumer Probedruck auf Pergament. Neben den Abzügen auf Pergament entstanden auch Drucke auf Japan.

Vor der Auflage mit der Schrift >>Quel Guerrier!<< in der Zeitschrift >>L'Art<<, III. Jahrgang, Bd. 2, 1877. - Eine der vier für die >>Proverbios<< vorgesehenen, jedoch nicht verwandten Aquatintaradierungen.

Als Frühdruck selten. (116)

 




Francisco José de Goya y Lucientes
Fuentetodos 1746 - 1828 Bordeaux

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 7.500.-

3  Bailando en una cuerda floja (Disparate punctual)

Radierung mit Aquatinta. Um 1818-24. Etwa 23,5 : 34,0 cm (25,2 : 35,3 cm).

Harris 267 II (von III). - Delteil 221 I (von III). - Hofmann 143 I (von II).

Vorzüglicher, im Aquatintaton fein nuancierter posthumer Probedruck auf Pergament. Neben den Abzügen auf Pergament entstanden auch Drucke auf Japan.

Vor der Auflage mit der Schrift >>Una Reina del Circo<< in der Zeitschrift >>L'Art<<, III. Jahrgang, Bd. 2, 1877. - Eine der vier für die >>Proverbios<< vorgesehenen, jedoch nicht verwandten Aquatintaradierungen.

Als Frühdruck selten. (116)

 




Karl Friedrich Schinkel
Neuruppin 1781 - 1841 Berlin

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 12.000.-

4  Das Schloß Prediama in Krein XII Stund von Triest

Lithographie. 1816. 39,5 : 31,7 cm (41,3 : 33,4 cm).

Rave 352. - Dussler (Die Inkunabeln der deutschen Lithographie) 6. - Winkler (Die Frühzeit der deutschen Lithographie) 763.9.

Ausgezeichneter, kräftig-schwarzer Druck auf gelblichem Velin.

1816 als erste Lithographie in der neu gegründeten Lithographenanstalt von F. Klinsmann in Berlin geschaffen.

Die Lithographie entstand nach einer Zeichnung, die Schinkel 1803 auf seiner Reise nach Italien während eines Ausfluges von Triest aus in Prediama, Slowenien anfertigte, wo ihn das in eine Höhle halb hineingebaute Schloß Prediama besonders beeindruckte: >>In der engen Verbindung von Architektur und gewachsenem Feld, von Höhle und gebautem Innenraum konnte Schinkel seine Ideen des Verhältnisses von Natur und Kunst wiederfinden<< (Helmut Börsch-Suppan).

>>The drawing he made at the time is in an unusual engraving-like pen and ink technique that he learned from Gilly in 1799, and used it on his journey and later when in the Salzburg region 1811. It lent itself admirably to translation into a lithography thirteen (sic!) years later<< (A. Griffiths u. F. Carey. German printmaking in the age of Goethe. 1994, S. 208).

Gegenüber der Zeichnung erfuhr die von Schinkel selbst auf Stein gezeichnete, also seitenverkehrte Lithographie entscheidende Veränderungen in den Proportionen: die Komposition wurde höher und breiter, der Himmel erweitert, das Schloß weiter in die Mitte gerückt und eine mit Bäumen bestandene Terrasse hinzugefügt, wodurch die Natur gegenüber dem Bauwerk mehr Raum erhält. Die Häuser im Vordergrund wurden durch eine Wassermühle mit Nebengebäuden ersetzt.

Eine der bedeutendsten und größten Lithographien Schinkels und der deutschen Romantik. - Insbesondere in derart schöner Erhaltung von großer Seltenheit. (118)

 




James Abbott McNeill Whistler
Lowell/Mass. 1834 - 1903 London

 

 




Schätzpreis / Estimate
EUR 12.000.-

5  Long Lagoon

Radierung. Um 1883. 15,4 ; 22,5 cm. Mit dem Schmetterling signiert und mit >>imp<< bezeichnet.

Kennedy 203 I (von II).

Ausgezeichneter, zarter Druck in Braun mit schönem, rechts gewischtem Plattenton.

Aus der zweiten Venedig-Folge, die innerhalb des >>Set of twenty-six etchings<< 1886 in London erschien.

Auf feinem Bütten. (233)

 




James Abbott McNeill Whistler
Lowell/Mass. 1834 - 1903 London

 

 




Schätzpreis / Estimate
EUR 10.000.-

6  Limehouse

Lithographie. 1878. 17,0 : 26,5 cm (22,0 : 28,5 cm). Im Stein mit dem stilisierten Monogramm [Schmetterling].

Way 4 II (von II).

Eines von 35 Exemplaren.

Die schöne Lithographie in einem ausgezeichneten, durchsichtigen Druck nach Überarbeitung des Steines mit den Kontrasten in den Gebäuden und dem dazu hell abgesetzten Himmel. Vom ersten Zustand, der offensichtlich mißlungen war und daher nur in wenigen Abzügen gedruckt wurde, schreibt Way >>very dull and uninteresting in effect<<.

Auf dünnem Velin.

Selten. (225)

 




Camille Pissarro
St. Thomas 1830 - 1903 Paris

 

 




Schätzpreis / Estimate
EUR 10.000.-

7  Jeune Fille assis au bord d'un étang et Paysanne

Monotypie. 15,8 : 20,3 cm (20,5 : 32,4 cm). Monogrammiert.

Eine der wenigen Monotypien Pissarros, eine Technik, die er vermutlich während der Zusammenarbeit mit Degas von diesem gelernt hatte. Degas experimentierte mit verschiedenen graphischen Techniken, sein Atelier war zeitweise ein Treffpunkt der an graphischer Technik Interessierten, zu denen neben Pissarro auch Mary Cassatt zählte. Seine Monotypien waren zunächst mehrfach in Kombination mit Lithographie entstanden oder aber nach einmaligem Druck farbig überarbeitet worden. Insgesamt entstanden zwischen etwa 1885 und 1890 über 300 Monotypien.

Ebenso wie Degas hatte Pissarro seine Monotypien kaum je datiert, die Entstehung unseres Blattes könnte aufgrund der motivischen Nähe zu den Badenden und Landarbeiterinnen um 1895 liegen.

Die Zeichnung ist mit dem Pinsel in Ölfarbe aufgetragen, die Flächen im Hintergrund sind gewischt und stellenweise ist die Farbe ausgekratzt, wie im Laub des Baumes rechts hinter der Bäuerin.

>>Im Januar 1894 konnte Pissarro endlich eine zwar alte, aber größere Presse von seinem Drucker Delâtre erwerben. In Ermanglung von richtiger Druckertinte experimentierte er zunächst mit Ölfarbe; verblüfft über die Ergebnisse schienen sie seine Experimentierlust geweckt zu haben. Sechs dieser von Pissarro als >dessins pressés ou imprimés< bezeichneten Monotypien wurden in der Ausstellung bei Ambroise Vollard 1896 gezeigt; sie waren unverkäuflich, wie es Pissarro dem geschäftstüchtigen Vollard ausdrücklich mitteilen mußte<< (Anne Röver, in: Camille Pissarro. Radierungen, Lithographien, Monotypien. Bremen, Kunsthalle 1991, S. 74).

Auf grünlichem Bütten mit Spuren vom Drucken im Rand. (225)

 




Camille Pissarro
St. Thomas 1830 - 1903 Paris

 

 




Schätzpreis / Estimate
EUR 8.000.-

8  Côte Sainte Catherine, à Rouen

Kaltnadelradierung und Aquatinta. 1883. 14,8 : 19,4 cm (23,5 : 31,8 cm). Signiert und mit >>7e état - No 4<< bezeichnet.

Delteil 48 VI (von VI). - Cailac und Melot 48 VI (von VII).

Prachtvoller Druck mit zarten Kontrasten in den Kaltnadelpartien. Entgegen Pissarros Beschriftung der sechste Zustand vor neuen Kaltnadelarbeiten über dem Laub der Bäume links und der Hügelkontur über dem Schornstein.

Ein Exemplar des selben Zustandes befindet sich im Cabinet des Estampes, Louvre und ist bei Melot abgebildet. - Ein Abzug des ersten Zustandes befindet sich im Folkwang Museum, Essen (vgl. Ausstellungskat. Kunsthalle Bremen 1991, Nr. 30), ein Abzug des vierten Zustandes im Museum of Fine Art, Boston (vgl. Ausstellungskat. Boston 1973, Nr. 30).

Auf breitrandigem Bütten.

1923 wurde eine posthume Auflage von 12 Exemplaren veranstaltet; als Zustandsdruck von großer Seltenheit. (129)

 




Pierre Bonnard
Fontenay-aux-Roses 1867 - 1947 Le Cannet

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 5.000.-

9  Le Cannotage

Farbige Lithographie. 1897. 26,5 : 47,0 cm (42,5 : 56,7 cm). Signiert.

Bouvet 42. - Roger-Marx 44. - Johnson (1977) 13.

Eines von 100 Exemplaren.

Farbintensiver, sehr schöner Druck, von Auguste Clot, Paris in Blau, Grün, Gelb und Rotbraun gedruckt.

Aus >>L'Album d'estampes originales<<, der zweiten, von Vollard 1897 publizierten Folge farbiger Lithographien verschiedener Künstler.

Auf losem China mit vollem Rand.

Die großformatige Lithographie ist so schön selten. (225)

 




Pierre-Auguste Renoir
Limoges 1841 - 1919 Cagnes bei Nizza

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 20.000.-

10  Le chapeau épinglé. 2e planche

Lithographie in Grün. 1898. 60,3 : 48,5 cm (72,3 : 60,0 cm). Im Stein doppelt signiert.

Delteil und Stella 30. - Melot 29. - Roger-Marx 5. - Johnson (1977) 108.

Prachtvoller Probedruck in Grün der großformatigen Lithographie.

Die zweite, gegenüber der ein Jahr zuvor entstandenen, einfarbig gedruckten Lithographie leicht veränderte Fassung. Vor der Auflage mit den Farbsteinen in 200 Exemplaren, mit einer zweiten, schwarz gedruckten Signatur im Unterrand rechts. - Es kommen des weiteren Probedrucke in Blau (siehe unsere Auktion 308, Moderne Kunst am 8. und 9. Dezember 1994, Kat.-Nr. 694, mit farb. Abb. auf Tafel 39) und in Grau (siehe unsere Auktion 312, Moderne Kunst am 8. und 9. Juni 1995, Kat.-Nr. 572, mit farb. Abb. auf Tafel 56) vor.

Auf losem China mit breitem Rand.

Dargestellt sind, nach Roger-Marx, die Tochter von Berthe Morisot und deren Cousine.

Die schönste der Lithographien Renoirs. - Von großer Seltenheit. (116)

 




Pierre-Auguste Renoir
Limoges 1841 - 1919 Cagnes bei Nizza

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 28.000.-

11  Enfants jouant à la Balle

Farbige Lithographie. Um 1900. 59,9 : 51,1 cm (82,6 : 60,3 cm). Im Stein signiert.

Delteil und Stella 32. - Melot 31. - Roger-Marx 7. - Johnson (1977) 111, ganzseitige Farbabbildung auf S. 99.

Eines von 200 Exemplaren.

Von Auguste Clot, Paris in Rot, Rosa, Gelb, Braunrot, Grau, Grün, Blau und Schwarz gedruckt, die Abzüge der Auflage - laut Roger-Marx in 10 Farben - variieren teils in ihrer Farbigkeit.

Renoir hatte zunächst eine Zeichnung des Sujets in schwarzer Kreide als Vorlage für die Lithographie geschaffen, darüber hinaus ein Pastell, das ihm als Anregung für die Ausführung der farbigen Fassung dienen sollte, von dem auch ein Counterproof existiert (vgl. Adelsson V 17). Es sind auch einige Abzüge in Schwarz und Farbvarianten der Lithographie bekannt.

>>Auguste Clot, a resourceful printer and master lithographer _, printed the editions for Vollard's famous sets and individual lithographs by many artists of the day, including Pierre Bonnard, Maurice Denis, Renoir and Edouard Vuillard _ At the end of the 19th century, when the demand for Renoir's works was steadily growing, Vollard commissioned Renoir to create lithographs, and employed Clot to transfer the artist's finished drawings to lithographic stones. One such drawing in this collection, >Enfants jouant à la balle< [Fig.1], was transferred to stone and printed as an edition in black only, and then also in colors [Fig.6]. A pastel counterproof [17] is closely related<< (Marc Rosen & Susan Pinsky, in: Renoir - The Pastel Counterproofs, Adelsson Galleries, New York 2005, S. 8, mit Abb. der Zeichnung u. der farbigen Lithographie, Abb. des counterproofs auf S. 51).

>>Auf vollrandigem Bütten >>MBM Ingres d'Arches<<. (182)

 




Mary Cassatt
Allegheny/PA 1844 - 1926 Château de Beaufresne bei Mesnil-Théribus/Oise

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 4.000.-

12  Sara's Head

Kaltnadelradierung. Um 1904. 15,4 : 11,5 cm (20,7 : 17,5 cm). Signiert.

Breeskin 197.

Druck des einzigen Zustandes mit gleichmäßigem Plattenton der einzigen Auflage bei Delâtre 1923, Frühdrucke sind laut Breeskin nicht feststellbar.

Auf feinem Bütten >>Vanderley<<.

Das Mädchen Sara war eines der beliebtesten Kindermodelle Cassatts aus ihrem Freundeskreis, das - neben den drei weiteren Radierungen des Entstehungsjahres - auch auf mehreren Gemälden und Pastellen dargestellt wurde. (200)

 




Mary Cassatt
Allegheny/PA 1844 - 1926 Château de Beaufresne bei Mesnil-Théribus/Oise

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 80.000.-

13  Feeding the Ducks

Kaltnadel, farbige Aquatinta >>à la poupeé<<. Um 1895. 29,5 : 40,2 cm (34,8 : 50,5 cm). Signiert.

Breeskin 158 III (von III). - Matthews/Shapiro 18 IV (von IV).

Prachtvoller Druck der erst im vierten und letzten Zustand farbig gedruckten Radierung. In den beiden ersten Zuständen wird die Zeichnung mittels Kaltnadel auf die Platte gebracht, im dritten Zustand die Zeichnung vervollkommnet und das Boot mit Aquatinta abgedunkelt. Im vierten Zustand wird die Zeichnungsplatte mit zwei Farbplatten überdruckt, die jeweils >>à la poupée<< in mehreren Farben eingefärbt wurden. Die mittlere Ente wohl von Hand in Blau aquarelliert.

Vorzeichnungen für die komplizierten Verfahren der farbigen Radierungen von Mary Cassatt sind nicht bekannt. Der Radierung >>Feeding the Ducks<< geht eine Ölstudie >>On the Water<< von 1895 voraus, die eine ähnliche Komposition spiegelbildlich zeigt.
1894 hatte die Künstlerin ihre Presse aus Paris in ihr Schloß >>Mesnil-Beaufresne<< bringen lassen, wo sie in einem Gartenpavillon zeichnete und druckte.
>>It is tempting to think that the final two color prints of this group, >Feeding the Ducks< and >The Album< were done at Beaufresne in the summer of 1895. Although they are linked to >Peasant Mother and Child< in costume and the use of monotype, they represent a change to a bucolic subject and mood, >Feeding the Ducks< may even depict the >pièce d'eau< over which Cassatt had her studio<< (Nancy Mowll Mathews).

Auf festem Bütten.

Von großer Seltenheit, Matthews/Shapiro nennen von allen vier Zuständen zusammen 13 Drucke; von dem farbigen vierten Zustand befinden sich allein 6 Exemplare in öffentlichen Sammlungen. (231)

 




Alfred Kubin
Leitmeritz/Böhmen 1877 - 1959 Zwickledt

 

 




Schätzpreis / Estimate
EUR 30.000.-

Aus einer Schweizer Privatsammlung
14  Die Anbetung der Könige

Tempera und Aquarell. Um 1907. 24,8 : 37,0 cm. Signiert.

Bedeutendes Werk aus der kurzen bildhaften Phase und eine der wenigen religiösen Darstellungen im Gesamtwerk des Künstlers. - Durch die Freundschaft mit Alexej von Jawlensky hatte Kubin 1907 in München den >>Malermönch<< Willibrod Verkade kennengelernt, der ihn mit der Kunst der Nabis bekannt gemacht hatte.

>>Bei meiner Arbeit war ich wieder an einem Wendepunkt gekommen. Aller Formen- und Farbenexperimente war ich überdrüssig und griff nun zu dem vollkommensten Gegensatz meiner Arbeitsweise, in dem ich mich an die flächige und harmonische Kompositionsweise der jungen französischen und deutschen Künstler hielt, die von Gauguin ihren Ausgang genommen hatte<< (Alfred Kubin).

Die Werke dieser Periode weisen eine reichere und hellere Farbpalette auf als die frühen und die späteren Werke. - Die Orientbegeisterung des Künstlers macht sich sowohl in den Kostümen der Könige bemerkbar als auch in dem zur Seite der Madonna liegenden Fabeltier, das mit seinen langen Krallen keineswegs mit einem Hund zu verwechseln ist.

Auf Katasterpapier. (43)

 




Max Liebermann
1847 - Berlin - 1935

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 40.000.-

15  Getreideernte-Schnitter. Entwurf für das Wandbild >>Sommer<< im Rathaus Altona

Öl auf Pappe. 1898. 34,5 : 54,5 cm. Signiert.

Eberle 1898/27.

Studie für das Wandgemälde im Maßstab 1 : 10.

Kurz bevor der Bau des neuen Altonaer Rathauses vollendet wurde, beschloß der Rat der Stadt im Juni 1897, den Kollegiensaal mit Wandbildern ausschmücken zu lassen, das >>Preisausschreiben<< für den Auftrag wurde im Mai 1898 veröffentlicht mit dem avisierten Abgabetermin zum 1. Dezember des Jahres, die Themenwahl blieb den Künstlern überlassen. Liebermann reichte vier Entwürfe mit einem Jahreszeiten-Zyklus ein, der Zuschlag ging jedoch letztendlich an den Berliner Maler Ludwig Dettmann. Dennoch erhielten seine Arbeiten, neben einigen negativen Rezensionen, auch Lob: >>Von den zahlreichen nicht prämierten Entwürfen seien die von Greve und Max Liebermann hervorgehoben, die ebenfalls der rein dekorativen Seite der Aufgabe näher getreten sind. Liebermann hat die vier Jahreszeiten unter nordschleswigschem Himmel geschildert. Die kleinen Skizzen, insbesondere die Frühlingslandschaft, offenbaren ein außerordentliches Stilgefühl in ihren schlichten Linien und geschlossenen Farbflächen. Ob eine Ausführung in großen Verhältnissen diese Vorzüge nicht durch allzugroße Eintönigkeit verdunkelt werden würden, mag dahingetellt bleiben<< (aus: Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 295, 14. 12. 1898, Abendausgabe).

Nachdem Liebermann den Auftrag nicht erhalten hatte, und die Bilder bereits um das Jahr 1900 in Auktionen nachweisbar sind, ist zu vermuten, daß der Künstler sie selbst auf diesem Wege dem Kunsthandel zuführte.

Mit ausführlicher Echtheitsbestätigung nach Vorlage des Originals von Prof. Dr. Martin Eberle, Max Liebermann-Archiv, Berlin, vom 25. April 2007.

Literatur:
Deutscher Reichsanzeiger, 1898, Nrn. 289 und 295.
Altonaer Nachrichten, 1898, Abendausgabe vom 6. 12., Morgenausgabe vom 8. 12., Abendausgabe vom 9. 12., Morgenausgabe vom 10. 12., Abendausgabe vom 30. 1. 1899.
Erich Hancke. Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke, 1914 (1), S. 371-372.
Katrin Boskamp. Studien zum Frühwerk von Max Liebermann mit einem Katalog der Gemälde und Ölstudien von 1866 - 1889, Diss., Hildesheim/Zürich/New York 1994, Kat.-Nr. 54 (Boskamp datiert diese Studie in das Jahr 1874 und verwechselt sie in den Angaben zur Provenienz mit WV 1878/8, einer >>Heuernte in Tirol<<; aufgrund dieser falschen Datierung zweifelt sie an der Echtheit der Studie, deren Strich und Handschrift nicht zu der frühen Datierung passen).
Matthias Eberle. Max Liebermann. Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, München 1995, Bd. I, WV 1898/27, S. 497-500, mit s/w-Abb. auf S. 499.

Provenienz:
Hugo Helbing, München. Auktionskatalog: Ölgemälde, Handzeichnungen und Aquarelle alter und moderner Meister, München 2. 6. 1902, Kat.-Nr. 71, Abb. S. 19. (115)

 




Max Liebermann
1847 - Berlin - 1935

 

  




Schätzpreis / Estimate
EUR 7.500.-

Aus einer Hamburger Privatsammlung
16  Grasende Ziegen / rückseitig: Die Kunstreiterin

Schwarze und weiße Kreide sowie Federzeichnung. 1887 und 1921. 37,0 : 23,8 cm (Blattformat). Vorderseitig signiert.

Vorzeichnung zur gleichnamigen Radierung desselben Jahres, vgl. Schiefler 5, in der die Komposition fast unverändert übernommen ist. Matthias Eberle dokumentiert in Band I seines Werkverzeichnisses ein verschollenes Gemälde, von dem sich in der Literatur jedoch keine Abbildung findet und das sich auch nicht - wie bei Hancke angegeben - in der Corcoran Art Gallery in Washington feststellen ließ. Möglicherweise handelt es sich stattdessen um das Bild >>Junge mit Ziegen<< (Eberle 1889/18), das ebenso wie >>Alte Frau mit Ziegen<< (E. 1890/1) das Thema mit verschiedenen Figuren variiert. - Unterhalb der Darstellung Federzeichung eines Mädchens mit Puppe.

Die rückseitige Zeichnung zeigt 2 Vorstudien zur Lithographie >>Die Kunstreiterin<<, vgl. Schiefler 340, von 1921 und einen begonnen Pferdekopf. In der ausgeführten Graphik ist jedoch die Figur der Reiterin mit der zum Gruß erhobenen Rechten dargestellt und der Hintergrund mit Zuschauern ergänzt.

Auf braunem holzhaltigen Zeichenpapier.

Rahmenrückwand mit dem Etikett der Kunstspedition Gustav Knauer, Berlin und 2 Adreßstempeln von Lotte Fürstenberg-Cassirer, weiteres Etikett in Feder hs. mit dem Titel und der Inv.-Nr. 24 bezeichnet.

Provenienz:
Dr. Hugo Cassirer, Berlin (1869-1920), vermutlich von seinem Bruder, dem Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer (1871-1926) erworben.
Der Nachlaß ging an Charlotte (Lotte) Cassirer, geb. Jacobi, wiederverheiratete Fürstenberg, Berlin und anschließend an den Sohn Stefan Walter Cassirer, Kunsthändler in Kopenhagen über. Mit beiliegendem Schreiben zur Provenienz seiner Witwe Else Cassirer, Dänemark vom 12.08.1988 (in Kopie).
Vom jetzigen Besitzer 1988 bei Else Cassirer erworben und seither in Privatbesitz. (56)

 




Max Liebermann
1847 - Berlin - 1935

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 8.000.-

Aus einer Hamburger Privatsammlung
17  Dorfstrasse

Schwarze und weiße Kreide. Um 1905. 18,0 : 27,0 cm. Signiert.

Wohl während des Aufenthaltes im August 1905 im holländischen Noordwijk entstandene, blattgroße Studienzeichnung mit Blick auf zwei an einem Weg gelegene Bauernhäuser zum Strand hin, mit Bäuerin und kleiner Figur im Hintergrund als Staffage. Ähnliche Motive waren bereits 1890 in Zandvoort entstanden. 1905 schuf Liebermann eine Reihe von Gemälden mit verschiedenen Ansichten des Dorfes, vgl. Eberle 1905/18 und 1905/20-25, die vergleichbare Raumsituationen mit einem gewundenen Weg und einem das Dorf von den Dünen trennenden Zaun schildern.

Auf bräunlichem Zeichenpapier.

Rahmenrückwand mit dem Etikett der Kunstspedition Gustav Knauer, Berlin, dem Adreßstempel von Dr. Hugo Cassirer, Berlin u. 2 Adreßstempeln von Lotte Fürstenberg-Cassirer, weiteres Etikett, dort in Feder hs. mit dem Titel und der Inv.-Nr. 61 bezeichnet.

Provenienz:
Dr. Hugo Cassirer, Berlin (1869-1920), vermutlich von seinem Bruder, dem Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer (1871-1926) erworben.
Der Nachlaß ging an Charlotte (Lotte) Cassirer, geb. Jacobi, wiederverheiratete Fürstenberg, Berlin und anschließend an den Sohn Stefan Walter Cassirer, Kunsthändler in Kopenhagen über. Mit beiliegendem Schreiben zur Provenienz seiner Witwe Else Cassirer, Dänemark vom 12.08.1988 (in Kopie).
Vom jetzigen Besitzer 1988 bei Else Cassirer erworben und seither in Privatbesitz. (56)

 




Ernst Barlach
Wedel 1870 - 1938 Rostock

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 80.000.-

Aus einer Privatsammlung in Mecklenburg-Vorpommern
18  Der Buchleser

Zink. 1936. Höhe: 45,5 cm. Breite: 21,0 cm. Tiefe: 34,0 cm.

Schult 473. - Laur 600, 3.

Der einzige Zinkguß, zwischen 1939 und 1945 gegossen.

Prachtvoller, in allen Partien äußerst detailreicher und scharfer, in der Prägnanz den Bronzegüssen weit überlegener Guß. Die gesamte Oberfläche weist eine hohe Belebung und Feinzeichnung auf, wie sie nur ein sehr erfahrener Gießer und Ziseleur erreichen kann.

>>Der von Barlach als undenkbar empfundene (Barlach richtete ein Protestschreiben an Goebbels), systematisch betriebene Nachweis seiner Schädlichkeit war damals schreckliche Wirklichkeit. Pressestimmen begrüßten die Beschlagnahme und benutzten sie dazu, gegen die noch öffentlich aufgestellten Plastiken Barlachs ein Kesseltreiben zu veranstalten (Franz Fühmann hat dies in seiner Studie von Barlachs letztem Jahr eindringlich dargestellt). So darf es als gesichert gelten, daß Barlach den Gedanken an vorliegende Plastik im Zusammenhang mit der Beschlagnahme des Bandes >Zeichnungen< aufgriff und den Buchleser als Versuch konzipierte, den verordneten Diffamierungen seinen Selbstbehauptungswillen entgegenzusetzen. Die Skulptur ist ein Spiegelbild der inneren Situation des Künstlers<< (Elmar Jansen).
Schriftsteller haben der Skulptur ein Denkmal gesetzt, so Alfred Andersch mit seinem Roman >>Sansibar oder der letzte Grund<< und Bertolt Brecht in den Notizen zur Barlach-Ausstellung: >>Da ist der >Buchleser<, die Bronze von 1936. Ein sitzender Mann, vorgebeugt, in schweren Händen ein Buch haltend. Er liest neugierig, zuversichtlich, kritisch. Er sucht deutlich Lösungen dringender Probleme im Buch. Goebbels hätte ihn wohl eine >Intelligenzbestie< genannt. Der Buchleser gefällt mir besser als Rodins berühmter >Denker<, der nur die Schwierigkeit des Denkens zeigt. Barlachs Plastik ist realistischer, konkreter, unsymbolisch.<<>

Rundplastik. - Mit dem Gießerstempel >>H. Noack Berlin<< hinten und dem ziselierten Namenszug des Künstlers seitlich rechts.

Eine der schönsten Skulpturen im Werk des Künstlers. - Neben 34 Bronzegüssen das einzige Exemplar in Zink. (119)

 




Ernst Barlach
Wedel 1870 - 1938 Rostock

 





Schätzpreis / Estimate
EUR 60.000.-

Aus einer Schweizer Privatsammlung
19  Lesende Mönche III

Bronze. 1932. Höhe: 58,5 cm. Breite: 44,5 cm Tiefe: 34,5 cm.

Schult 420. - Laur 528.

Schöner deutlicher Guß mit warmer brauner Patina.

Eines der bedeutendsten Hauptwerke der Spätzeit Barlachs und einer der letzten monumentalen plastischen Entwürfe des Künstlers überhaupt.

>>Gruppen von zwei nebeneinander sitzenden Figuren kommen in der neueren Plastik außerhalb von Barlachs Werk kaum vor. Dagegen hat die deutsche spätgotische Plastik diese Aufgabe in der in mehreren Exemplaren bekannten >Christus-Johannes-Gruppe< gelöst, die als verselbständigter Ausschnitt aus der Abendmahlsdarstellung aufzufassen ist. Vielleicht hat sich Barlach bei seinem engen Verhältnis zur mittelalterlichen Kunst von einer solchen Gruppe anregen lassen. Wie dort, so gibt es auch hier eine leichte Unterordnung des einen unter den anderen, der das Buch hält. Dieser erscheint in Gesicht und Gestalt vergeistigter als sein derber, breitschultriger Nachbar. Der hat die Hände im Schoß gefaltet und schaut mit ins Buch. Doch liest er nicht mit der gleichen stillen und gelassenen Versunkenheit, wie jener, sondern, in seiner Art den Kopf zu halten, wird eine gewisse Spannung spürbar. Zwei grundverschiedene Charaktere sitzen da nebeneinander, aber in Eintracht verbunden durch das geistige Band des Buches<< (Johannes Jahn).

>>Versöhnung im Geiste ist dagegen der Sinn des Beieinander in der Gruppe >Lesende Mönche III<, deren gelungene Komposition die tiefe Gemeinschaft aller Erkenntnis suchenden Menschen in die Vorstellung bringt. Man darf glauben, daß - wie erzählt wird - Barlach im gelegentlichen Kommentar improvisierend die linke Gestalt als tibetanischen Mönch, die rechte als griechischen Mönch bezeichnet hat. In übergreifenden Kurven verbinden schwer durchhängende Faltenzüge die leicht zueinandergekehrten Leiber<< (Wolf Stubbe).>

Rundplastik. - Seitlich rechts mit dem Gießerstempel >>H. Noack Berlin<< sowie der Signatur und der Datierung. - Insgesamt wurden lediglich 25 Exemplare gegossen. (148)



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